Buenos Aires

Nach zwei Tagen in Viña del Mar und der Abgabe des Motorrads geht es morgens früh los zur Reise nach Santiago an den Flughafen. Der Flug nach Buenos Aires ist mit dem Überflug der Anden etwas spektakulär. Nach dem Start in Santiago geht nicht etwas direkt nach Westen sondern erst eine ganze Zeit nach Süden bis zum Erreichen der Reiseflughöhe, bis das Flugzeug nach Osten abdreht und zum Überflug der Anden ansetzt. Während des Überflugs bleiben die Anschnallzeichen an und erlöschen erst im Anschluss; anscheinend kommt es immer wieder zu unvorhersehbaren Turbulenzen über diesem hohen Gebirge. Übrigens: Die Ausreise aus Chile trotz des noch nicht exportierten Motorrads war kein Problem. Es wurde nicht einmal nachgefragt.

Nach der Landung in Buenos Aires beginnt der spannende Teil der Reise. Wie geht es in die Stadt? Auch hier macht Argentinien seinem Ruf wieder alle Ehre, durch Intransparenz und widersprüchliche Angaben, höherwertige Dienstleistungen zu verkaufen. So wird der günstige Stadtbus zwar offiziell ausgeschrieben, bei Nachfragen wird “Neulingen” von einer Nutzung allerdings abgeraten. Und der Weg mit dem “sichereren” Transferbus ist auch nicht ganz transparent deklariert. So passiert es, dass ich nicht etwa nur ins Zentrum fahre, sondern weiter zum Stadtflughafen. Der Rückweg würde natürlich wieder extra kosten. So benutze ich den an diesem Flughafen günstigeren öffentlichen Transferbus und komme sogar so nah an das Hostel heran, dass ich keine Subte (Metro in Buenos Aires) mehr benötige und laufe.

Auch diese Reise wird mein Verhältnis zum Land Argentinien im Allgemeinen nicht verbessern, es bleibt gespalten. So wird einerseits ein grundsätzliches Gefühl der Unsicherheit durch Argentinier selbst erzeugt. In keiner meiner bisherigen Reisen wurde ich so häufig auf zu meidende Stadtteile und Überfallgeschichten hingewiesen wie in Argentinien. Selbst Kolumbianer sprechen von ihrem in unseren Medien doch etwas verschrienen Land auf Nachfrage besser. Andererseits finde ich es immer wieder befremdlich, wie in einem Land mit einem steuerlich bedingt teils höheren Preisniveau als Europa über die Hintertür immer noch mehr Geld als gedacht abgeknöpft wird. Ob dies an der Historie des Staatsbankrotts liegt? Und als Europäer stelle ich mir dann natürlich die Frage, ob Griechenland den gleichen Weg gehen wird? Nur fehlen dort leider die leckeren Rindersteaks und die Asados, die das Leben in Argentinien wieder sehr angenehm gestalten. Olivenöl und Ziegenkäse machen halt noch kein reichhaltiges Abendbrot aus.

Genug der politischen Unkorrektheit an dieser Stelle und zurück zur Reise. Von der Intransparenz kann man auch profitieren. Gesetzlich bedingt ist es für Argentinien sehr teuer oder schwierig, an stabile Devisenwährungen wie etwa den Dollar oder den Euro zu kommen. Dies hat in Argentinien zu einer Situation geführt, von der Touristen profitieren, denn es gibt zwei Wechselkurse für Dollar und Euro. So tauschen Banken beispielsweise Euro zu dem offiziellen Kurs von ungefähr 1 zu 10. Auf der Straße gibt es dagegen den Blue-Kurs, der eher bei 1 zu 14 liegt. Zum Blue-Kurs erhalte ich also 40% mehr argentinische Pesos als zum offiziellen Kurs, wie er etwa beim Abheben über die Kreditkarte angesetzt wird. Voraussetzung ist, man hat Dollar oder Euro in Scheinen dabei.

Allerdings muss man sich an das Tauschverfahren etwas gewöhnen, denn es läuft in Hinterstuben ab, und darauf achten, kein Falschgeld zu erhalten. In Buenos Aires ist das allerdings kein Problem. Auf Nachfrage im Hostel erhalte ich die Auskunft, dass in der Straße “Florida” das sicherste Tauschzentrum ist. Bei meiner ersten Reise in die Innenstadt und diese Fußgängerzonenstraße bemerke ich sofort die vielen “Dealer”. Relativ unverhohlen wird mit dem Ausruf “Cambio-Cambio-Cambio” die Möglichkeit zum Tausch beworben. Nach etwas Zögern wage ich es dann auch und gehe auf einen vertrauensvoller aussehenden Mann zu. Vorher habe ich natürlich den zu wechselnden Euroschein separat deponiert, um möglichst nicht an das Portemonnaie zu müssen. Es wird kurz über den Kurs gesprochen und dann geht es in die Wechselstube. In diesem Fall läuft man dazu 100 Meter in ein nahegelegenes etwas heruntergekommenes Einkaufszentrum und dort in den hinteren Teil in eine Geschäft, in dem der Wechsel abgeschlossen wird. Dabei stelle ich mir die ganze Zeit die Frage, wie weit gehe ich noch mit oder ob ich die Transaktion abbrechen soll. Schlussendlich hält man danach das (echte) argentinische Geld in den Händen. Es gibt viele solcher Wechselstuben, am Sonntag ist es sogar ein Kiosk in der Fußgängerzone selbst, neben dem 10 Meter weiter ein Polizist steht. Auf diesem Wege lässt sich in Argentinien relativ günstig reisen, allerdings muss man in anderen Städten nach diesen Wechselmöglichkeiten mehr suchen und mehr auf die Echtheit des Geldes achten.

Buenos Aires beeindruckt mich sehr. Es ist eine riesige Stadt mit einem sehr großen, schönen Stadtkern, in dem äußerst viele schöne Altbauten stehen. Es gibt viele Restaurants und kleine Läden, Shopping Malls sind fast gar nicht anzutreffen. Es gibt Alleen mit sechs nebeneinander laufenden Straßen, die wiederum jeweils Fahrbahnen haben. Neben New York ist Buenos Aires meines Erachtens eine der wenigen weiteren Städte der Welt, die den Namen Metropole verdient.

Mit allen touristischen Attraktionen ist diese Stadt alleine eine Reise nach Südamerika wert. Gemeinsam mit dem auf der anderen Seite der Bucht liegenden Montevideo, das ich später besuchen, bietet dieses Gebiet die Möglichkeit für eine tolle Städtereise. Außerdem ist es die Stadt, in der ich seit über eineinhalb Monate regenfreier Zeit wieder Regen erlebe.

Das Reisen ist ein anderes. Bereits auf dem Weg in das Hostel spürte ich das Fehlen des Motorrads. Der Seesack, in dem ich mein Hab und Gut nun transportiere, lässt sich deutlich unkomfortabler tragen als die Motorradkleidung ;-) Tagsüber habe ich dagegen deutlich mehr Bewegung, da ich anstelle des Fahrens durch die Stadt laufe und mich mit Leuten unterhalten kann. Im Falle von Spanisch hilft dies, die meine Sprachkenntnisse weiterhin zu verbessern.

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