Zwischen den Ozeanen

Kurios aber wahr, meine BMW war hier bereits vorher ohne mich hingereist. Ich spreche von Panamá, dem Land zwischen den beiden grossen Ozeanen, das Bindeglied zwischen Kolumbien und Costa Rica. Die Reise hierhin war turbulent, ebenso verhält sich hier das Wetter. Meine Freundin und ich habe uns natürlich die Regenzeit zum Besuch des Landes ausgesucht. Gleich in den ersten Tagen trifft uns ein starker Regenguss. Glücklicherweise ist die Bauweise der Panamenios diesem Umstand angepasst. Jede Bushaltestelle ist gut überdacht und in Panama Stadt findet man entlang der Promenade nicht allzu großen Abständen überdachte Flaechen. Die Panamenios nutzen diese Flächen auch für ihre Freizeitgestaltung und so rutschen wir ungeahnt in eine Übungsstunde für traditionellen Tanz. Die Kinder und Jugendlichen werden trotz des schwülen Klimas und der langen Kleidung körperlich herausgefordert.

Wo wir gerade bei Traditionen sind. Ceviche ist eine kalte Speise aus kleingehakten Meeresfrüchten und Fischen, die mit Zwiebeln eingelegt sind, und mit Weissbrot genossen werden. Genauso wie Chile und Peru scheint auch Panama diese Speise als Nationalgericht zu beanspruchen. Wahrscheinlich findet sie sich auf der Speisekarte aller mittel- und südamerikanischen Länder wieder. Dies tut dem Genuss aber keinem Abbruch, ich kann mich noch erinnern, wie wir in der Sprachschule in Santiago de Chile Ceviche “gekocht” haben.

In Panama gab es keinen Kochkurs, dafür gegenüber dem Fischmarkt eine Unmenge an Ceviche-Ständen mit den üblichen Fängern. Auch hier stellt sich die Kenntnis von Spanisch als guter Aufhänger für ein Gespräch heraus. Habe ich eigentlich bereits geschrieben, wie froh ich bin, für diese Reise Spanisch gelernt zu haben? Dieses Mantra begleitet mich seid einiger Zeit. Viele Begegnungen waren ohne dies nicht möglich gewesen. In Panama ist das Spiel dann auch einmal umgedreht. Wo meine Freundin in Frankreich mit ihren Französischkenntnissen glänzen konnte, die ich nicht habe, ist es jetzt anders herum.

In Panama ist im Gegensatz zu Südamerika eine amerikanische Prägung spürbar. So finden sich hier etwa die hochmodernen gelben Schulbusse wieder. Voll klimatisiert mit Zugluft jagen sie mit bis zu 60 Stundenkilometer über die Straße. Die ohnehin schon rasante Reisegeschwindigkeit wird nochmals übertroffen. Die enge Verbindung zwischen Panama und den USA rührt von Panamakanal her, der zuerst voll in amerikanischer Hand war und dann schrittweise an Panama übergeben wurde. Der Panamakanal ging Ende 1999 vollständig in die Hände Panamas über.

Der Besuch des Panamakanals ist ein beeindruckendes Erlebnis, etwa die Präzision, mit der die Schiffe durch die drei Schleusen des Kanals geführt werden. Innerhalb der Schleusen werden die Schiffe von kleinen Lokomotiven gezogen, die auf Schienen nebenher fahren. Derzeit ist eine Erweiterung des Kanals mit noch größeren Schleusen im Bau.

Übrigens ist die Geschichte mit meinem Motorrad noch nicht vorbei. Wäre beim Export alles glatt gelaufen, hätte ich vielleicht dem Schiff im Kanal winken können. Wie bereits geschrieben, sollte der Export jedoch ohne mich stattfinden. Allerdings habe ich beim Verstauen des Motorrads in der Kiste die Koffer abgeschlossen. Da möchte der Zoll jetzt natürlich reinschauen. Die Transportfirma braucht nun die Schlüssel für die Koffer, eine entsprechende E-Mail hatte ich bereits in Uruguay erhalten. Da beim Weg über Chile nach Panama wegen Verspätungen keine Zeit zum Verschicken des Schlüssels war, musste ich das in Panama Stadt nachholen und darf hoffen, dass der Schlüssel in Chile ankommt.

Ich merke, ich bin kein Karibik-Typ. Das Wetter ist mir auf die Dauer einfach zu schwül. Trockene Hitze macht mir recht wenig aus, doch die Luftfeuchtigkeit in Panama bringt einen immer wieder stark zum Schwitzen.

In diesem Klima gedeihen allerdings einige unserer leckeren Luxusgüter: Bananen, Kakao und Kaffee. Im nördlichen Panama in Almirante gibt es sogar einen eigenen Hafen, in dem die Bananen mit Chiquita-eigenen Schiffen verschifft werden. Die in Kinderbüchern als Verzehrer von Bananen dargestellten Tiere können in Panama ebenfalls beobachtet werden. Wir haben Affen um Süden beobachten dürfen, wie sie geschmeidig durch die Bäume klettern, dabei aber Blätter verspeisen, keine Bananen.

Während die Bananenplantagen für Touristen nicht zugänglich sind, können Café-und Kakaoplantagen besichtigt werden. Meine Freundin und ich haben uns beides angesehen und beide Male, wie es der Zufall wollte, eine private Tour gehabt. Bei Kaffee wissen wir jetzt um die unterschiedlichen Kaffeesorten Arabica und Robusta, den Nachgeschmack von verbranntem Gummi und, dass dark-roast zwar ganz nett klingt, viele von den Geschmack-Nuancen darin jedoch verloren gehen. Und beim Kakao konnten wir im scheinbaren Primärwald die Röstung und das Mahlen von Kakao beobachten und ihn mit etwas Zucker und Milch verrührt als Schokolade probieren. Lecker! Der Primärwald scheint nur primär, da die Kakao-Pflanzen direkt in den Urwald zwischen alle anderen Bäume gepflanzt werden. Gleiches gilt für die Kaffeepflanzen.

Im Osten und Westen von Panama gibt es an der Nordküste Inselgruppen, die sich für einen Strandurlaub eignen. Die San Blas Inseln im Osten werden durch die indigenen Bewohner selbst geführt und sind durch Palmen bewachsene Kleinode, wie man sie aus James Bond filmen kennt. Die Umrundung unserer Insel dauert 15 Minuten. Das Wasser ist angenehm warm zum Schwimmen und es gibt kleine Riffe zum Erkunden. Das Süßwasser muss abgeliefert werden und beispielsweise für die Duschen in die darüber liegenden Wassertanks gehoben werden. Und übernachtet wird in kleinen Strohhütten. Das I-Tüpfelchen sind die von den Palmen geernteten Kokosnüsse, die mit der Machete geöffnet werden und dann am Strand mit dem Strohhalm ausgetrunken werden können.

Die Bocas del Toro Inseln im Westen von Panama sind dagegen touristischer und haben ein richtiges Nachtleben. Dort gibt es Wassertaxis, um von einer Insel zur nächsten zu kommen und um des nachts vom Pub oder von der Disco zurück zum Hotel fahren zu können.

Panama war in vielen Belangen eine Abwechslung zu den Ländern in Südamerika. Insbesondere die Kaffee- und Kakao-Plantagen und die Inselgruppen waren beeindruckend. Doch haben wir beide wieder gemerkt, dass wir nicht so die schwül-heiße-Wettertypen sind. Im nächsten Urlaub geht e wieder in die gemäßigten Breiten.

Buenos Aires

Nach zwei Tagen in Viña del Mar und der Abgabe des Motorrads geht es morgens früh los zur Reise nach Santiago an den Flughafen. Der Flug nach Buenos Aires ist mit dem Überflug der Anden etwas spektakulär. Nach dem Start in Santiago geht nicht etwas direkt nach Westen sondern erst eine ganze Zeit nach Süden bis zum Erreichen der Reiseflughöhe, bis das Flugzeug nach Osten abdreht und zum Überflug der Anden ansetzt. Während des Überflugs bleiben die Anschnallzeichen an und erlöschen erst im Anschluss; anscheinend kommt es immer wieder zu unvorhersehbaren Turbulenzen über diesem hohen Gebirge. Übrigens: Die Ausreise aus Chile trotz des noch nicht exportierten Motorrads war kein Problem. Es wurde nicht einmal nachgefragt.

Nach der Landung in Buenos Aires beginnt der spannende Teil der Reise. Wie geht es in die Stadt? Auch hier macht Argentinien seinem Ruf wieder alle Ehre, durch Intransparenz und widersprüchliche Angaben, höherwertige Dienstleistungen zu verkaufen. So wird der günstige Stadtbus zwar offiziell ausgeschrieben, bei Nachfragen wird “Neulingen” von einer Nutzung allerdings abgeraten. Und der Weg mit dem “sichereren” Transferbus ist auch nicht ganz transparent deklariert. So passiert es, dass ich nicht etwa nur ins Zentrum fahre, sondern weiter zum Stadtflughafen. Der Rückweg würde natürlich wieder extra kosten. So benutze ich den an diesem Flughafen günstigeren öffentlichen Transferbus und komme sogar so nah an das Hostel heran, dass ich keine Subte (Metro in Buenos Aires) mehr benötige und laufe.

Auch diese Reise wird mein Verhältnis zum Land Argentinien im Allgemeinen nicht verbessern, es bleibt gespalten. So wird einerseits ein grundsätzliches Gefühl der Unsicherheit durch Argentinier selbst erzeugt. In keiner meiner bisherigen Reisen wurde ich so häufig auf zu meidende Stadtteile und Überfallgeschichten hingewiesen wie in Argentinien. Selbst Kolumbianer sprechen von ihrem in unseren Medien doch etwas verschrienen Land auf Nachfrage besser. Andererseits finde ich es immer wieder befremdlich, wie in einem Land mit einem steuerlich bedingt teils höheren Preisniveau als Europa über die Hintertür immer noch mehr Geld als gedacht abgeknöpft wird. Ob dies an der Historie des Staatsbankrotts liegt? Und als Europäer stelle ich mir dann natürlich die Frage, ob Griechenland den gleichen Weg gehen wird? Nur fehlen dort leider die leckeren Rindersteaks und die Asados, die das Leben in Argentinien wieder sehr angenehm gestalten. Olivenöl und Ziegenkäse machen halt noch kein reichhaltiges Abendbrot aus.

Genug der politischen Unkorrektheit an dieser Stelle und zurück zur Reise. Von der Intransparenz kann man auch profitieren. Gesetzlich bedingt ist es für Argentinien sehr teuer oder schwierig, an stabile Devisenwährungen wie etwa den Dollar oder den Euro zu kommen. Dies hat in Argentinien zu einer Situation geführt, von der Touristen profitieren, denn es gibt zwei Wechselkurse für Dollar und Euro. So tauschen Banken beispielsweise Euro zu dem offiziellen Kurs von ungefähr 1 zu 10. Auf der Straße gibt es dagegen den Blue-Kurs, der eher bei 1 zu 14 liegt. Zum Blue-Kurs erhalte ich also 40% mehr argentinische Pesos als zum offiziellen Kurs, wie er etwa beim Abheben über die Kreditkarte angesetzt wird. Voraussetzung ist, man hat Dollar oder Euro in Scheinen dabei.

Allerdings muss man sich an das Tauschverfahren etwas gewöhnen, denn es läuft in Hinterstuben ab, und darauf achten, kein Falschgeld zu erhalten. In Buenos Aires ist das allerdings kein Problem. Auf Nachfrage im Hostel erhalte ich die Auskunft, dass in der Straße “Florida” das sicherste Tauschzentrum ist. Bei meiner ersten Reise in die Innenstadt und diese Fußgängerzonenstraße bemerke ich sofort die vielen “Dealer”. Relativ unverhohlen wird mit dem Ausruf “Cambio-Cambio-Cambio” die Möglichkeit zum Tausch beworben. Nach etwas Zögern wage ich es dann auch und gehe auf einen vertrauensvoller aussehenden Mann zu. Vorher habe ich natürlich den zu wechselnden Euroschein separat deponiert, um möglichst nicht an das Portemonnaie zu müssen. Es wird kurz über den Kurs gesprochen und dann geht es in die Wechselstube. In diesem Fall läuft man dazu 100 Meter in ein nahegelegenes etwas heruntergekommenes Einkaufszentrum und dort in den hinteren Teil in eine Geschäft, in dem der Wechsel abgeschlossen wird. Dabei stelle ich mir die ganze Zeit die Frage, wie weit gehe ich noch mit oder ob ich die Transaktion abbrechen soll. Schlussendlich hält man danach das (echte) argentinische Geld in den Händen. Es gibt viele solcher Wechselstuben, am Sonntag ist es sogar ein Kiosk in der Fußgängerzone selbst, neben dem 10 Meter weiter ein Polizist steht. Auf diesem Wege lässt sich in Argentinien relativ günstig reisen, allerdings muss man in anderen Städten nach diesen Wechselmöglichkeiten mehr suchen und mehr auf die Echtheit des Geldes achten.

Buenos Aires beeindruckt mich sehr. Es ist eine riesige Stadt mit einem sehr großen, schönen Stadtkern, in dem äußerst viele schöne Altbauten stehen. Es gibt viele Restaurants und kleine Läden, Shopping Malls sind fast gar nicht anzutreffen. Es gibt Alleen mit sechs nebeneinander laufenden Straßen, die wiederum jeweils Fahrbahnen haben. Neben New York ist Buenos Aires meines Erachtens eine der wenigen weiteren Städte der Welt, die den Namen Metropole verdient.

Mit allen touristischen Attraktionen ist diese Stadt alleine eine Reise nach Südamerika wert. Gemeinsam mit dem auf der anderen Seite der Bucht liegenden Montevideo, das ich später besuchen, bietet dieses Gebiet die Möglichkeit für eine tolle Städtereise. Außerdem ist es die Stadt, in der ich seit über eineinhalb Monate regenfreier Zeit wieder Regen erlebe.

Das Reisen ist ein anderes. Bereits auf dem Weg in das Hostel spürte ich das Fehlen des Motorrads. Der Seesack, in dem ich mein Hab und Gut nun transportiere, lässt sich deutlich unkomfortabler tragen als die Motorradkleidung ;-) Tagsüber habe ich dagegen deutlich mehr Bewegung, da ich anstelle des Fahrens durch die Stadt laufe und mich mit Leuten unterhalten kann. Im Falle von Spanisch hilft dies, die meine Sprachkenntnisse weiterhin zu verbessern.

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