Staub?

Heute ging es von Chillán weiter über Concepción in den Süden. Die erste Etappe führte nach Westen an die Pazifikküste. Bei einem kurzen Zwischenstopp fiel mir auf, dass die Luft recht dunstig schien und das Motorrad mit vielen Staubpartikel bedeckt war. Bei weißer Farbe dachte ich zuerst an diese kleinen beißenden Fliegen. Dafür waren die Partikel allerdings zu klein. Ein Kohlekraftwerk oder andere Industrie war auch nicht in der Nähe. Eine Ahnung wurde mir dann kurze Zeit später an der Tankstelle bestätigt. Vulkanasche. Gestern oder heute ist nämlich ein weiterer Vulkan in der Nähe von Puerto Montt ausgebrochen:

http://edition.cnn.com/2015/04/23/americas/chile-volcano/

Puerto Montt liegt auf meiner Route und ist Ausgangspunkt der Carretera Austral. So werden auf meiner Reise durch Südchile nun zwei Vulkane liegen. Dieser sowie der in Villarrica.

Hunde

In Chile (und wohl in ganz Südamerika) gibt es viele Hunde. Sie unterscheiden sich in Straßenhunde, also frei laufend ohne offensichtlichen Besitzer, und Hunde mit festem Wohnsitz. Vor meiner Reise war mir das gar nicht bewusst – auch nicht ihr Verhalten auf der Straße. Das sollte sich jedoch gleich am ersten Tag meiner Motorradreise beim Abholen der Maschine aus dem Lager ändern. Hunde haben die Eigenschaft, ihr Territorium zu verteidigen. Das ist bei (eingezäunten) Hunden mit festem Wohnsitz eigentlich kein Problem. Sie bellen zwar immer, bleiben jedoch in der Nähe Ihres Gebietes. Freilaufende Hunde sind tagsüber ebenfalls recht handsam, verwandeln sich des Nachts oder während der Dämmerung in Bestien, die Autos und Motorräder heftig bellend anspringen. Zuerst dachte ich, der “Feind” der Hunde wäre das Gefährt an sich, bis mich die Gastmutter meiner Familie der Sprachschule aufklärte und mir eine interessante morgendliche Begegnung mit einem Hotelhund dies bestätigte. Es sind schlichtweg die Reifen, die die Gemüter der Perros (span. für Hunde) so erhitzen. Bei langsamer Fahrt stand der Hotelhund im Weg und ich musste das Motorrad deswegen zum Stehen bringen. Auf einmal fängt der Hund an, die Reifen anzubellen und anschließend in die Reifen zu beißen. Gegen dieses Attacken hilft dann nur beherztes Weiterfahren.

Abends finden die Attacken dann meistens in Rudeln (zwei oder drei) Hunde statt. Bisher floss der Verkehr immer und wenn sich eine Attacke abzeichnet, so konnte ich bisher immer richtig Gas geben, um den das Motorrad anspringenden Hunden zu entwischen. Wie das bei stehendem Verkehr ist, möchte ich mir noch nicht ausmalen.

Manchmal finden entsprechende Attacken auch tagsüber statt, z.B. an Schnellstraßen. Im einen Augenblick liegen die Tiere noch friedlich am Straßenrand in der Sonne, im nächsten jagen sie einem schon quer in das Motorrad rein. Übrigens werden auch Radfahrer angegriffen, was wohl die Tatsache erklärt, dass es nicht so viele Radfahrer gibt.

Es gibt auch Übergänge zwischen den beiden Hundetypen. Traurig ist die Verwandlung von Haushund zu freilaufendem Hunde, denn diese wurden von ihren Besitzern meist ausgesetzt und finden sich nicht zurecht. Freilaufende Hunde können andererseits auch temporär zu “Hunden mit Territorium” werden. Das Territorium ist dann die Straße und der Bewacher postiert sich dann mitten auf dem Gebiet. Beim ersten Mal bin ich auf den Hund zugefahren, was zu beschriebenen Attacken führte, seitdem fahre ich einen Bogen.

Diese ganze Geschichte führte übrigens zu der ersten tiefgreifenden Entscheidung, die ich für die Reise traf: Möglichst keine Fahrt in der Dunkelheit.

Chile Hund 2015

Motorradversicherung

Das Thema hat mich einige Tage beschäftigt und ich war so weit, mit eine Versicherung per E-Mail in Deutschland zu holen. Glücklicherweise erhielt ich dann von der Villakunterbunt aus Valparaíso den Kontakt zu Speiser Seguros in Argentinien. Dort ging der Abschluss der Versicherung via E-Mail und Bezahlung via Western Union problemlos von statten (versicherte Länder: Argentinien, Chile, Uruguay, Paraguay, Bolivien, Brasilien). Grundsätzlich gilt: Chilenische Versicherungen können a) nur mit RUT-Nummer b) nicht für im Ausland registrierte Fahrzeuge abgeschlossen werden und c) gelten grundsätzlich erst einmal nur für Chile. Anscheinend scheint der Abschluss einer Versicherung für Süd-Südamerika am Einfachsten in Argentinien zu sein. Andere Foren geben weitere Kontaktdaten.

SIM-Karte

SIM-Karten heißen in Chile “Chip”. Es gibt drei Große: entel, Caro, Movistar. Ich habe mich aufgrund der etwas besseren Abdeckung für entel entschieden. Nach meiner Erfahrung war es in den Shops von entel nicht möglich, nur einen Chip (i.e. SIM-Karte) mit Prepaid-Plan zu kaufen. Es gab diese immer nur in Verbindung mit einem (einfachen) Handy. Nach Bezahlung von “Lehrgeld” und dem Kauf einer solchen Kombi, habe ich nach zwei Wochen herausgefunden, dass entel- (und auch andere) Chips in den unabhängigen Mobiltelefonläden/Kiosken verkauft werden. Bei Kauf ist auf die Aktivierung zu achten, denn in Chile geht nichts ohne RUT, die Reisende nicht besitzen.

Reserva Nacional Radal Siete Tazas

Heute war der erste Tag mit Schotterpiste angesagt. Ausgehend vom Hotel Suichi in Molina führt eine Straße in Richtung Osten in den Nationalpark. Die Schotterpiste begann dann recht früh und es blieb dann 80 Kilometer auch dabei. Zu Beginn bedurfte es etwas Gewöhnung, da das Motorrad doch deutlich mehr schwimmt – insbesondere bei Abschnitten mit lockerer Erde aufgrund von Straßenbauarbeiten.

Nach den ersten Kilometern im Nebel zeigt sich die im Nationalpark die Sonne. Da die Hauptsaison bereits vorbei ist, gab es auch keine weiteren Touristen, so dass die Fotos die schlichte Natur zeigen.

Der Rückweg aus dem Park führte über eine Abkürzung nicht mehr direkt nach Molina sondern südlich in Richtung Talca.

Links: CONAF, Wikipedia.

Erste Eindrücke

Die ersten Tage in Santiago gingen schnell vorbei. Nach dem Einleben auf dem neuen Kontinent bei schönstem Wetter ging es am Sonntagabend zur Gastfamilie der Sprachschule. Mit noch sehr holprigem Spanisch war die Unterhaltung ein Abenteuer, was sich im Laufe der folgenden zwei Wochen etwas besserte. Die intensive Auseinandersetzung mit der Sprache in Schule und Freizeit trug Früchte. So ging es nach dem ersten Unterrichtsmontag mit Einstufungstest und der Einteilung in die Klassen am Nachmittag direkt in die “Clinic Alemania” von Santiago, um die dritte notwendige Tollwutimpfung zu erhalten. Dass in einer “Clinic Alemania” viele Angestellte deutsch sprechen, stellte sich recht schnell als Irrtum heraus und angesichts des noch sehr eingeschränkten Vokabelwissens und der speziellen Art des chilenischen Spanischs brauchte es fünf Stationen innerhalb des Krankhauses, um in die Impfabteilung zu gelangen und mich für die Tollwutimpfung einzuschreiben. Eine halbe Stunde später war alles erledigt. Chilenisches Spanisch gehört beim Erlernen der Weltsprache nicht zur leichtesten Variante. Erstens ist die Geschwindigkeit extrem hoch und Silben werden gerne verschluckt. Zweitens ist die Aussprache im Gegensatz zu anderen Spanischdialekten sehr weich. So wird aus “Buenos Dias” ein “Buenoh Diah” mit geradeso angehauchtem “s”. Gesprächspartner, die etwas langsamer und klar intoniert sprechen, kann ich ausreichend verstehen. Bei allen anderen hört es sich an wie eine Art Geheimsprache ;-). So fällt es mir gerade bei wichtigen Details immer wieder schwer, diese richtig aufzunehmen. Das führt bei Preisen und Terminvereinbarungen immer wieder zu häufigen Nachfragen. Die Unverständlichkeit des Spanischs tut der Freundlichkeit der Chilenen keinen Abbruch. Seit gut zwei Wochen bin ich jetzt in Chile und fühle mich hier sehr wohl. Die Menschen auf der Straße sind beispielsweise auskunftsfreudig. Heute bin ich am Strand von Laguna Verde spazieren gegangen, plötzlich kommt ein kleiner Junge einer Familie auf mich zu gerannt und sprach etwas von “Foto” und wollte meinen Fotoapparat nehmen. Schlussendlich hat er sich dann gefreut, einfach nur fotografiert zu werden und selbst seine Familie mit der Kamera aufzunehmen. Das deutsche Nummernschild ist ebenfalls ein Eisbrecher. Neben einem fahrende Motorrollerfahrer fragen nach der Herkunft und an der Tankstelle wird einem der Verkauf des Motorrads angeboten :-). Die Internetverbindung läuft über das Mobiltelefon, kein WLAN. Bilder gibt es in den folgenden Tagen, wenn ich wieder öffentliches WLAN habe.

Ankunft in Santiago de Chile

Gelandet in Santiago de Chile. Das Wetter ist wunderbar – bereits aus dem Flugzeug gab es eine schöne Aussicht auf die Anden. Schnell ging es durch die Immigration, Gepäckkontrolle und in den Bus in die Stadt. Das Hotel ist ein schöner einfacher Altbau. Anbei die ersten Eindrücke heute primär als Fotos.

Anscheinend sind Hotdogs der Nationalsnack – es viele (!) Stände, in denen Köche im Akkord die Nachfrage der arbeitenden Bevölkerung in der Mittagspause zu befriedigen versucht. Mein Exemplar war sehr lecker. Und das Leben findet draußen statt – es erinnert mich ein wenig an Australien. Übrigens – so wie dort steht auch hier die Sonne wieder im Norden.

Nichtsdestotrotz braucht es wohl noch ein bisschen Zeit, bis ich den 20-Stunden-Sprung von Europa nach Südamerika ganz in meine Wahrnehmung durchgedrungen ist. Auf den ersten Blick scheint vieles gleich, doch ist eigentlich alles anders.

PS: Allen, die mich per SMS erreichen wollten, sei gesagt, dass meine FONIC-Karte in den geplanten Reiseländern nicht funktioniert. Ich werde mir eine chilenische Karte besorgen und die Nummer auf Anfrage weitergeben.

München nach Hamburg

Pünktlich mit dem Gültigkeitsbeginn des Saisonkennzeichens meines Motorrads ging die Reise nach Südamerika los – und zwar in Deutschland. Am 1.3. habe ich das Motorrad mit einem kleinen Zwischenstopp in Hannover nach Hamburg zur Verladung auf das Schiff überführt. Das Wetter war gut: Es hat nicht geschneit. Wohl aber wollten mich der Regen, die Kälte und der an den Straßenrändern noch liegende Restschnee auf die Wetterbedingungen in Ushuaia einstimmen. Mit jedem Stopp kamen weitere Isolierungsschichten um den Körper, bis zum Schluss ein wandelndes Michelin-Männchen auf dem Motorrad nach Hamburg saß.

Alles lief glatt und selbst die Verladung des Motorrads auf der Transportkiste ging schnell vonstatten, obwohl es ein Montag war. Denn montags scheinen sich alle LKWs des Wochenendes vor dem Verladelager zu versammeln und die Lagerarbeiter gehörig auf Trapp zu halten.

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